Kindle Touch im Test

Seit einigen Wochen sehen wir ihn regelmäßig in Fernsehreklamen, den Kindle Touch. Damit ist er der erste reine Ebook Reader, der den Sprung in die Fernsehwerbung schaffte. Bisher fand man dort mit den Tablet-PCs nur deren multifunktionale Konkurrenten. Es scheint, als klopfe das Ebook endlich an der Tür zum Mainstream. Grund genug, den Vorreiter-Reader einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Äußerlich sieht der Touch aus wie sein wenige Wochen älterer Bruder ohne Touchscreen. Sein Display ist 6 Zoll groß, das Gerät ist leicht, handlich und passt in die Hosentasche. Das Gehäuse besteht aus silbernem Kunststoff. Abgesehen von einem einzigen Knopf kann man nicht viel entdecken.

Ebook Reader von Kindle

Beim Überfliegen der Produktbeschreibung erkennt man weitere tolle Vorteile, die man auf den ersten Blick nicht sieht. 4GB interner Speicher steht zur Verfügung. Das reicht für bis zu 3000 Bücher. Damit ist dieser Ebook Reader zumindest unter diesem Gesichtspunkt gut geeignet, um auf eine einsame Insel umzusiedeln und Jahrelang lesen zu können. Der Akku hält aber leider nicht ganz so lange, allerdings ist das Gerät mit bis zu zwei Monaten Akkulaufzeit auch kein Stromfresser. Bücher läd man per Wi-Fi auf den Reader. Es gibt für einen kleinen Aufpreis sogar die Möglichkeit, das Wunsch-Ebook direkt via 3G auf den Touch zu laden. Kosten entstehen keine, abgesehen von dem leicht höheren Anschaffungspreis.

Nun aber genug der Theorie. Schauen wir uns den Kindle Touch einmal in der Praxis an. Und das geht recht schnell, denn Amazon versendet den Reader schon fertig konfiguriert. Ich muss den Ebook Reader nicht erst mit meinem Amazonkonto verknüpfen, sondern kann gleich loslegen. Wenn man den einen verfügbaren Knopf des Gerätes betätigt, sieht man die Auflistung der vorhandenen Bücher. Alle anderen Funktionen steuert man mit dem Touchscreen. Die Handhabe ist logisch aufgebaut und funktioniert intuitiv. Man merkt allerdings schon einen Unterschied, was die Schnelligkeit des Touchscreens betrifft. Das E-Ink Display versteht zwar Multitouch-Gesten, insgesamt wirkt es aber etwas träge im Vergleich zu beispielsweise dem iPad.

Das finde ich allerdings nicht so schlimm, denn schließlich ist der Ebook Reader zum Lesen von Ebooks gedacht, und das funktioniert recht gut. Amazon verspricht "Lesen wie auf Papier", und das ist nicht zu hoch gegriffen. Beim ersten Hinschauen wirkt das Display wie beklebt oder bedruckt. Erst beim ersten Umblättern durch Wischen über den Bildschirm erkennt der Neuling, dass er es mit einem E-Ink Display zu tun hat. Der große Vorteil: Spiegelfreies Lesen in der Sonne ist problemlos möglich. Nachteil: Im Dunkel sieht man nichts, zumindest nicht ohne Lampe.

Der Kindle Touch bietet noch weitere Funktionen. Lesezeichen setzen und Notizen zum Text machen sind die beiden, die noch am ehesten an den Umgang mit einem gedruckten Buch erinnern. Der Reader kann noch mehr, beziehungsweise erkennt man seine Ambitionen es zukünftig zu können: Der Kindle kann im Internet surfen. Die Idee ist super, die Umsetzung noch nicht ausgereift. Internetseiten in Schwarzweiß auf dem trägen Trägen Display sind kein Vergnügen für die Augen, sondern nur funktional. Ein Audioplayer ist auch enthalten. Die Klang ist vernünftig, aber für mich ist diese Funktion kein Kaufsargument.

Ein Kaufsargument ist für mich das Herunterladen der Bücher. Aussuchen, kurz warten, fertig. Die Ebooks werden sehr schnell und automatisch direkt auf das Gerät geladen. Der Nachteil: Nur die Bücher von Amazon sind verfügbar. Ebooks im Epub-Format werden nicht unterstützt. Das schafft Platz für Konkurrenten, den diese auch nutzen.

Alles in allem bekommt der Käufer des Kindle Touch für 129 EUR einen sehr ordentlichen und stylischen Ebook Reader mit ausgezeichneten Lese-Features und steigerungsfähigen Zusatzfunktionen. Einziger Wermutstropfen ist, dass das Epub-Format nicht unterstützt wird. Damit wird dem Leser Zugang zu all den Ebooks verweigert, die nicht bei Amazon erhältlich sind.